Birmensdorf: «Ende gut, alles gut»

Wie zutreffend das Sprichwort «Ein Pferd, welches immer ein Pferd, ein Reiter ohne Pferd aber nur ein Mensch ist» zutrifft, musste ich letztes Wochenende erfahren. Dies, als «eben nur ein Mensch», umringt von sich emsig vorbereitenden Reitern.

30.05.2018

Von Carmen Dubs

Wie oder durch wen ich eigentlich genau in diese Situation und auf die verrückte Idee gekommen war, eine von vier Vierkämpferinnen der Kategorie «Aktive» (umgangssprachlich für die Alten) zu werden, ist mir bis jetzt noch nicht klar. Zumal der Vierkampf (50 Meter Schwimmen, 1500 Meter Laufen, Mannschaftsdressur und Springen) sportlich wie logistisch einiges abverlangt. Und ich in der Rekonvaleszenzphase einer langwierigen, chronischen Verletzung und bis heute eine bekennende, wasserscheue Beckenrandschwimmerin bin.

Rückblende um ein paar Wochen: Dass mir als alleinerziehende Mutter und einem Stall voller Pferde langweilig würde, ist bisher noch nie eingetreten. Dennoch habe ich mich – wohl in einem Moment des senilen Übermutes oder eines Gläschen Weins zu viel – mit meinen Vereinskolleginnen auf dieses Abenteuer eingelassen. Die Tatsache, dass meine Kolleginnen schon erfahrene Vierkämpferinnen und zudem starke Athletinnen waren, mir wenig Zeit blieb und ich als Langstreckenläuferin in dieser kurzen Distanz noch viel schneller werden musste, steigerten meinen (ohnehin grossen) Ehrgeiz noch. Die logische Konsequenz: ein Zusammenbruch beim Joggen. Wortwörtlich «auf dem Boden» der Tatsachen gelandet, vermittelte ich meinen Mitstreiterinnen und allen Involvierten, dass ich entweder aussteige oder aber versuche, so gut als Möglich, jedoch bei geringerem Tempo zu laufen. Die tollen, verständnisvollen Reaktionen zeigten mir, dass ich durchaus im richtigen Boot war.

Pleiten, Pech und Pannen

Für unser Team «KVL ­Ladies» stand entsprechend fest, dass ich – zumindest in den nicht reiterlichen Disziplinen – das Streichresultat sein werde. Wenigstens durfte ich mit meiner erfahrenen Stute Serafina auf ein zwar schon älteres, aber dennoch fittes Pferd zählen – dachte ich zumindest zu Beginn. Da stand ich nun also auf der Reitanlage in Birmensdorf, froh, ohne (erkennbare) Schäden das für mich Schlimmste, nämlich Laufen und Schwimmen, hinter mich gebracht zu haben. Euphorisch, endlich Reiten zu dürfen, mit blitzblanken Stiefeln, aber ohne Pferd.

Erstens kommt es anders ...

Die Details unseres zwei­tägigen Abenteuers zu schildern, würde den mir zur Verfügung gestellten Rahmen um ein Mehrfaches sprengen. Kurze Zusammenfassung: Wir konnten aufgrund verschiedener Zwischenfälle letzten Endes nie in der definitiven Aufstellung die Mannschaftsdressur reiten, muss­ten drei Pferde auswechseln, auch mein eigenes. Einzig konstant war unser hoher Adrena­lin­spiegel. Es gab Freuden- sowie Tränen der Erschöpfung, aber dennoch bildeten alle Involvierten eine optimistische Einheit, halfen und wertschätzten einander weiterhin.

Als mein mittlerweile ausgewechseltes Pferd zu Hause nicht in das Fahrzeug einstieg, konnten meine Mannschaftskolleginnen noch während ich im Auto zur Veranstaltung flitzte, kurzerhand die Stute einer «gegnerischen» Mannschaft für mich sichern. Ein grosses Dankeschön hiermit den «Pläuschlern» für die Bereitschaft zur kurzfristigen Änderung der Startreihenfolge, dem Sekretariat für das Verständnis des angerichteten Chaos, welches wir mit unserem Pferdewechsel fast im Minutentakt veranstalteten und dem unermüdlichen OK um Nathalie Oliveri für diese toll organisierte Veranstaltung. Mein herzliches Dankeschön gilt natürlich dem Team Bodenseeufer und der Familie Städler für die wunderbare Stute, welche mich letzten Endes doch noch zur Reiterin machte.

Einfach so, vier Minuten vor dem Einritt vom eigentlichen Gegner ein Pferd unter den Hintern zu bekommen? Dies ist eigentlich unvorstellbar, zeigt aber auch auf, dass der Vierkampf zwar durchaus zeitintensiv und aufwendig ist, die Herzlichkeit, das Fairplay und die Kameradschaft jedoch all die Mühe wert sind!

Und ja, meinem Team mit allen Helfern und Pferdebesitzern herzlichen Dank für die Geduld, die ihr für mich aufgebracht habt. Als ich einmal die Bemerkung machte, dass ich nur wieder mitmache, wenn wir nicht Letzte werden, hatte ich natürlich niemals damit gerechnet, dass wir nach all dem Chaos tatsächlich noch zuoberst auf dem Treppchen stehen würden. Somit kann ich sagen: «Ende gut, alles gut.»

Die Sieger

Bei den A-Junioren hatten die Zuger die Nase ganz vorne. VK Zug siegte mit Michael Bruhin und den Geschwistern Dominic und Léonie Chaix. Im Einzel war Joëlle Waser vom Team Lorze die Bes­te. Bei den B-Junioren ging der Mannschaftssieg in den Thurgau – zum Team Egnach Mostindien mit Demian Eugster, Elena Eugster, Mira Gabathuler und Alina Kuhn. Im Einzel realisierte dann Dominic Chaix nach dem Vollerfolg mit dem A-Team auch noch einen Sieg. Die KVL Ladies mit Brigitte Sennhauser, Kim Steiner, Maya Grossenbacher und mir triumphierten bei den Aktiven. Kim Steiner war in der Einzelwertung ebenfalls siegreich. Bei den Einsteigern feierten dann wieder die Zuger mit dem Team VK Zug Einsteiger (Aloisa Müller und Liviana Honegger). Das Einzel entschied Elena Staub (Team Lorze Einsteiger) für sich.

Übrigens wurde das Vierkampfturnier in Birmensdorf erstmals mit Springprüfungen kombiniert. Während wir Vierkämpfer am Samstag auf der Laufstrecke und im Hallenbad Vollgas gaben, führte der KV Affoltern Springprüfungen in den Stufen B 70/80 und R 100/105 auf der Reitanlage des Nachbarvereins KV Limmattal durch. Das hiess doppelte Organisation, doppelte Logistik und vor allem doppelte Helferzahl, was den Veranstalter stark herausforderte, er dies aber mit Bravour meisterte.


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