Wallisellen: Das Projekt NPZ Ostschweiz steht für zwei Jahre still

Die OKV-Delegierten haben sich vor einem Jahr klar für ein Nationales Pferdezentrum in der Ostschweiz ausgesprochen. Der Standortentscheid wurde allerdings am vergangenen Wochenende von der Delegiertenversammlung in Wallisellen um zwei Jahre vertagt. Ausserdem sind zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt worden: Ralph Brovelli übernimmt von Yvonne Bont das Ressort Concours Complet und Dominique Suter löst Patricia Volpez Stern als Chefin Nachwuchsförderung ab.

14.12.2018

Von Angelika Nido Wälty

Der 22-köpfige OKV-Vorstand unter dem Vorsitz von Michael Hässig hatte seine Hausaufgaben im Vorfeld der DV gründlich gemacht. Sämtliche relevanten Geschäfte waren vorgängig in den Sektoren besprochen worden – offenbar zur vollen Zufriedenheit der Vereinsvertreter. Denn in der geräumigen Mehrzweckhalle von Wallisellen konnten die Traktanden speditiv abgehakt werden. Ohne Diskussionen und ohne eine einzige Wortmeldung der Abgeordneten von 122 Vereinen wurden alle zur Abstimmung stehenden Geschäfte mit grossem Mehr genehmigt.

St. Gallen bekommt Aufschub

Mit nur gerade acht Nein- zu 649 Ja-Stimmen folgten die Delegierten einem Antrag der Verantwortlichen des Standorts St. Gallen und vertagten den Entscheid über den Standort für ein Nationales Pferdezentrum in der Ostschweiz. Vor einem Jahr hatte sich die DV klar für ein NPZO ausgesprochen und den Vorstand mit der Evaluation der Möglichkeiten beauftragt. «Mit aufwendigen Beurteilungs- und Bewertungsschemen wurden die drei Standorte Frauenfeld, Dielsdorf und St. Gallen bewertet, jedoch keiner eindeutig favorisiert», erklärte OKV-Präsident Michael Hässig. Mittlerweile scheint sich am Stand­ort St. Gallen einiges getan zu haben. So sollen der Bau einer grossen Doppelhalle und mehrerer Aussenplätze in Reichweite gerückt sein. Aber um definitiv sagen zu können, wie ein NPZ in St. Gallen dereinst aussehen könnte, benötigen die Verantwortlichen mehr Zeit und ersuchten deshalb um zeitlichen Aufschub. «Wir werden nun in zwei Jahren, wenn die Informationen aus St. Gallen vorliegen, über den Standort entscheiden», sagte Hässig. In der Zwischenzeit erhält die Pferdezentrum Frauenfeld GmbH den OKV-Beitrag von 20000 Franken für ein weiteres Jahr. Obwohl der OKV finanziell besser fahren würde, wenn er nicht Mitglied der GmbH wäre und die Platzmiete bei seinen Kursen zum vollen Tarif bezahlen würde, beantragte der Vorstand, den bestehenden Vertrag zu den bisherigen Konditionen um ein weiteres Jahr zu verlängern. Die Delegierten folgten dieser Empfehlung, die ein gerütteltes Mass an Goodwill dem traditionellen Standort gegenüber enthält, mit 600 Ja- zu 26 Nein-Stimmen. Der OKV-Präsident hatte zuvor versprochen, im kommenden Jahr Tarifverhandlungen aufzunehmen.

Mehr Diskussionen gab es im Vorfeld der DV um eine neue Rechtsschutzversicherung, die der OKV abschliessen möchte. Die Versicherung an und für sich ist nicht umstritten: Die Vereine und ihre Hilfspersonen sollen bei rechtlichen Streitigkeiten, die in Aus­übung ihrer Vereins­tätigkeit entstanden sind, juristischen Beistand erhalten. Der Vorstand beabsichtigt allerdings, die jährliche Versicherungsprämie, die pro Verein exakt 37.80 Franken beträgt, wegen der Mehrarbeit auf der Geschäftsstelle auf 50 Franken aufzurunden. Das sei eine unzulässige Quersubventionierung, äusserten sich kritische Stimmen. Während der DV meldeten sich diese nicht mehr zu Wort und das Geschäft wurde mit 557 zu 60 Stimmen gutgeheissen.

Den statutarischen «Pflichtstoff» handelte Michael Hässig zügig ab. Bei der Jahresrechnung konnte er von einer «Punktlandung» berichten: Die Erfolgsrechnung schliesst bei einem budgetierten Gewinn von 7960 Franken mit einem Überschuss von 7336 Franken ab. «Auffallend ist die Abnahme des Basisfrankens, weil immer weniger Pferdesportler an Turnieren teilnehmen», sagte Hässig. Der Rückgang konnte durch Mehreinnahmen bei Jugend und Sport sowie durch ZKS-Beiträge aufgefangen werden. Das Budget 2019 sieht bei unveränderten Mitgliederbeiträgen und vorsichtiger Planung einen Verlust von 8940 Franken vor. Für Jahresrechnung und Budget wurde dem Vorstand einstimmig Décharge erteilt.

Zwei neue Vorstandsmitglieder

Der OKV darf drei neue Vereine in seinen Reihen begrüssen: Der Verein Pferdesport Baregg Cham, der Reitclub Manesse Zürich und der Liechtensteiner Pony- und Pferdeclub ­LIPOP stellten sich an der DV kurz, aber sympathisch vor und wurden  einstimmig aufgenommen. Der OKV umfasst damit 154 Vereine. Auf die DV hatten auch zwei langjährige Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt erklärt. Zum einen Yvonne Bont, die seit 2007 das Ressort Concours Complet mit viel Herzblut und Engagement geleitet hatte. «Mit ihr ist in diesem Ressort Ruhe eingekehrt», würdigte Michael Hässig ihre Arbeit. Die Bülacherin zeigte sich gerührt, als sie einstimmig und mit grossem Applaus zum ­Ehrenmitglied gewählt wurde. Neben dieser gab es eine stehende Ovation für die scheidende Nachwuchs­chefin Patricia Volpez Stern, nachdem ein kurzer Film, der zum Zehnjahr-Jubiläum des Projekts New­comers entstand, ihre wertvolle Arbeit visuell verdeutlichte. «Die Newcomers sind zum Mass aller Dinge in Sachen Nachwuchsförderung in der ganzen Schweiz geworden», lobte der OKV-Präsident. Obwohl die Fussstapfen der beiden gross sind, ist es dem OKV gelungen, hochkarätigen Ersatz zu finden: Der erfahrene CC-Reiter Ralph Brovelli aus Wittenbach SG übernimmt das Ressort CC, neue Nachwuchschefin wird Dominique Suter aus Dörflingen SH.

Viele Erfolge, viele Ehrungen

Traditionell reich befrachtet ist im OKV das Traktandum Ehrungen. Die ers­ten Auszeichnungen, verliehen von der Chefin Ausbildung Heidi Notz, die im Anschluss an die Datenkonferenz ein spannendes Referat zum Thema Zukunft Nachwuchsförderung gehalten hatte, gingen an die drei neuen Vereinstrainerinnen Andrea Gächter (RV Oberriet), Nadja Lohri (RV Amriswil) und Ale­xandra Oettli (Gestüt Wichenstein). Die Besten der Verbandsmeisterschaft 2018, an der 88 Vereine teilnahmen, wurden auf der Bühne ausgezeichnet, wobei der RV Stammheimertal seinen Sieg zum dritten Mal verteidigte und den Wanderpreis nun behalten darf. Der Verein Elgger Pferdefreunde, vertreten von Corinne Boss­hard, durfte gleich zwei Wandertrophäen entgegennehmen, zum einen für den Sieg im OKV-Cup der NOP-Pferdeversicherung, zum anderen für den Gewinn der Vereinsmeisterschaft. Einen Kelch des OKV durften der RV Appenzell und der RC Buchs entgegennehmen, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feierten. 22 Jahre amtete Werner Mayer unermüdlich im Ressort Fahren, für dieses Engagement wurde er von OKV-Vizepräsident Peter Zeller und Fahrchef Alois Häni mit der Freimitgliedschaft geehrt. Last but not least durfte Michael Hässig die Vizeweltmeister der WEG in Tryon auf der Bühne begrüssen: das Voltigeteam Lütisburg mit Longenführerin Monika Winkler-Bischofberger.

Mit leichter Verspätung konnte der OKV-Präsident die DV schliessen, die auch für ihn eine besondere war: Wurde sie doch organisiert vom Reitverein Wallisellen, bei dem er Ehrenmitglied ist und dem er zwei Mal als Präsident vorstand. Das OK unter der Leitung von Martin Eberle und RVW-Präsident Philipp Wyden hatte von allen Seiten grosses Lob für die tadellos und mit viel Liebe zum Detail organisierte DV erhalten. «Das macht mich sehr stolz auf meinen Verein», sagte Hässig. Einziger Wermutstropfen: Da am Sonntag viele Teilnehmer vorzeitig den Heimweg antraten, blieb der RV Wallisellen auf über 100 Mahlzeiten sitzen, die entsorgt werden mussten …

 Hier finden Sie mehr Informationen zur Delegiertenversammlung 2018 in Wallisellen


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