5.09.2011 - Fehraltorf: Eleganz, Exaktheit und ein Happy-End
Das OKV-Dressurjahr erreichte am Samstag mit dem Dressurfinal im Fehraltorfer Reitsportzentrum Barmatt seinen Höhepunkt. Fabienne Bachmann, Doris Zürcher und Ulrike Zogmayer konnten sich als frischgebackene OKV-Meisterinnen feiern lassen.
von Jennifer Steiner
Elegante Pferde, die über die Diagonale des Dressurvierecks zu schweben scheinen; herausgeputzte Reiter, denen die Konzentration ins Gesicht geschrieben steht und Zuschauer, die immer wieder gespannt den Atem anhalten: Für 60 ambitionierte Dressurreiter aus dem OKV-Gebiet ging es am vergangenen Samstag um die Wurst – oder eher um die Medaillen. In Fehraltorf kürte der grösste Schweizer Regionalverband seine diesjährigen Dressurmeister.
Durchhaltewillen belohnt
Dass OKV-Präsident Peter Fankhauser ihr an eben diesem Samstag eine solche Medaille, notabene eine goldene, um den Hals hängen würde – damit hatte Fabienne Bachmann nicht gerechnet. „Es ist schlicht unglaublich“, freut sich die Reiterin über ihren Sieg in der Stufe III des diesjährigen OKV-Dressurfinals.
Es ist das Happy-End einer Leidensgeschichte: Bachmann kaufte die mittlerweile 7-jährige Oldenburger-Stute Dolce Vita als Fohlen und bildete sie selbst aus. „Im Training lief sie jeweils super“, erzählt Bachmann. Doch sobald es ernst galt, habe es meist in einer Katastrophe geendet – Dolce Vita war zu nervös. „Ich hatte schon fast aufgegeben“, gesteht die Hüttwilerin. Dass sie nun die „Saison der letzten Chance“ im Fehraltorfer Pferdesportzentrum Barmatt mit einem Doppelsieg im L15 und L18 und damit als OKV-Meisterin beenden konnte, freut sie deshalb umso mehr. Fabienne Bachmann weiss um die Qualitäten ihrer Fuchs-Stute, wenn diese ihre Nerven im Griff hat: „Sie ist ein sehr talentiertes Pferd, das einen wahnsinnigen Schwung aus der Hinterhand mitbringt.“
Harmonisches Gesamtbild
„Ein schönes Paar, welches sich durch Eleganz, überragende Grundgangarten und ein harmonisches Gesamtbild auszeichnet“, lobt denn auch L15-Richter Niklaus Regius. Gerade dieser Harmonie werde heute oft zu wenig Beachtung geschenkt. Der erfahrene Richter weiss: Das L15 auf 40 Metern sei gerade für talentierte Pferde wie Dolce Vita mit grossrahmigen Bewegungen eine anspruchsvolle Angelegenheit, da die Lektionen sehr schnell aufeinander folgen.
Ebenfalls sehr erfolgreich meisterte Dominique Suter mit Hannoveraner-Stute Double Delight diese Herausforderung: Das Paar klassierte sich im L15 und L18 auf dem 4. respektive 5. Rang und belegte so mit total 9 Rangpunkten den zweiten Platz. Mit insgesamt 10 Punkten auf dem Konto komplettierten Denise Hensch und Zulana das Siegertreppchen der höchsten Stufe des Dressurfinals.
3 Haflinger im Stufe-2-Final
In der Stufe 2 stach den Zuschauern auf der neuen Sandplatzanlage des Reitvereins vom Kempttal ein besonderes Trio ins Auge: Drei Pferde, die nicht gerade berühmt dafür sind, mit ihren Gängen zu glänzen. Dennoch konnten sich gleich drei Haflinger für den diesjährigen Dressurfinal in der Stufe 2 qualifizieren – und dort auch durchaus mit ihren grossen Konkurrenten mithalten. „Sie wurden exakt und sauber vorgestellt“, beobachtete Steffy Kuriger, die sowohl im GA10 der Stufe 2 als auch im GA03 der Stufe 1 im Richterhäuschen sass.
Während beider Prüfungen habe der Zuschauer zudem spüren können, dass es sich um einen Final handelte: „Das Niveau war auf beiden Stufen konstant hoch, kein Paar ist stark abgefallen“, stellte die Richterin erfreut fest.
Den OKV-Dressurmeistertitel auf Stufe 2 konnte sich Doris Zürcher mit ihrer 11-jährigen Oldenburger-Stute Lady May sichern. Das Paar aus dem Thurgauischen Wigoltingen klassierte sich im GA07 auf dem 2. und im GA10 auf dem 6. Rang und strich so insgesamt 8 Rangpunkte ein. Die Silber- und Bronzemedaille ergatterten sich zwei Paarungen mit jeweils 10 Rangpunkten: Dann dem besseren Ergebnis im GA10 hatte Ruth Heggli auf Oldenburger Robonnier im Vergleich mit Silvia Bossert auf Haflinger Fiona in der Endabrechnung die Nase vorn.
Sie habe gewusst, dass Lady May gut in Form sei, erzählt Doris Zürcher. Doch mit der Siegesschleife habe sie dann doch nicht gerechnet, sagte die Reiterin nach der Ehrenrunde – und strahlte dabei mit der Sonne um die Wette. „Lady May ist manchmal etwas schreckhaft, doch sie ist ein tolles Pferd, das im Trab über einen sehr schönen Takt verfügt“, schwärmte Zürcher. An den Ustermer Dressurtagen Anfangs Oktober will sie sich nun einer neuen Herausforderung stellen: „Wir wollen uns erstmals im L13 versuchen.“
Souveräner Sieg auf Stufe 1
Auch 18 nicht-lizenzierte Reiter zeigten am Samstag in der Barmatt ihr Können im Dressurviereck. Die Stufe-1-Prüfung zu ihren Gunsten konnte Ulrike Zogmayer mit ihrem Oldenburger Siempre Viva entscheiden. Das Paar sicherte sich den Sieg im GA03 souverän mit 10 Punkten Vorsprung und schaffte es im GA10 trotz eines Programmfehlers noch auf den dritten Rang. „Ein Rappe, der zwar keine überragenden Gänge vorweist, aber sehr korrekt vorgeführt und exakt geritten wurde“, lobte Richterin Steffy Kuriger das Paar.
Mit jeweils einem dritten Platz in beiden Prüfungen sicherten sich Alexandra Amstalden und Emilia den zweiten Podestplatz. Einen Rangpunkt mehr resultierte für Sabrina Wiehler und Wildcat, die damit in der Stufe 1 auf dem bronzenen Schlussrang landete.
Höhepunkt im Dressurjahr
Als „würdigen Höhepunkt im Dressurjahr“ bezeichnet Barbara von Grebel, Dressur-Ressortchefin des OKV, den Anlass in der Fehraltorfer Barmatt. Sie weiss, dass der Final für die qualifizierten Reiterinnen und Reiter jeweils das grosse Jahresziel darstellt. „Entsprechend hoch ist dann auch das Niveau“, freut sich von Grebel an den gezeigten Lektionen in den Vierecken.
Sowohl ein sportlich als auch organisatorisch positives Fazit zieht Heidi Kolb. Die Präsidentin des Organisationskomitees zeigt sich insbesondere mit der geglückte Sandplatz-Premiere zufrieden. Zum ersten Mal ging auf der neuen Anlage eine Dressurprüfung über die Bühne – und löste bei den Reitern ein positives Echo aus: „Der Platz ist super. Es ist viel schöner, draussen zu reiten als in der Halle“, sagte beispielsweise Nicole Götz, die mit ihrem Wallach Dressman im GA07 und GA10 an den Start ging.
„Der neue Platz hat sich gut bewährt, wir konnten die Zeiten ohne Probleme einhalten und mussten keine Zwischenfälle verzeichnen“, resümiert Heidi Kolb. Und zu guter letzt habe sich Petrus an diesem Samstag als waschechter Dressurfan zu erkennen gegeben.


