26.10.2010 - SVPS: «Pflästerlipolitik auf dem Buckel der Basis»

An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung des Schweizerischen Verbands für Pferdesport (SVPS) wurden nicht nur neue Verbandsstrukturen, sondern auch eine deutliche Gebührenerhöhung für die Reiterinnen und Reiter beschlossen. Der OKV hat sich als einziger Regionalverband dagegen gewehrt – und ist unterlegen. Präsident Peter Fankhauser nimmt Stellung und erklärt gleichzeitig seinen Rücktritt aus dem Vorstand SVPS.

SVPS: «Pflästerlipolitik auf dem Buckel der Basis»

Peter Fankhauser

Interview Andreas Stutz

Peter Fankhauser, an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung des SVPS wurden deutliche Gebührenerhöhungen beschlossen. Der OKV hat sich als einziger Regionalverband dagegen gewehrt. Weshalb?

Im Vorstand war man sich mehrheitlich einig, dass die Finanzen des SVPS wieder ins Lot gebracht werden müssen. Auch ich bin nach wie vor der Ansicht, dass hier dringender Bedarf besteht. Die Frage ist einfach, auf welche Weise dies geschehen soll.
Der SVPS-Vorstand hat den Weg gewählt, bei der Basis die Gebühren massiv zu erhöhen und gleichzeitig beim Spitzensport keinen Rappen einzusparen. Die Disziplinenbudgets wurden sogar wieder auf das Niveau von 2009 erhöht. Dazu kann ich als Vertreter der Vereine und Basisreiter im OKV-Gebiet niemals „ja“ sagen. Das ist „Pflästerlipolitik“ auf dem Buckel der Basis.

 

Die übrigen Regionalverbände haben der Gebührenerhöhung zugestimmt. Welche Erklärung haben sie dafür?

Man macht sich wohl einfach zu wenig Gedanken über den Zustand respektive das Verhältnis der eigenen Basis zum SVPS. Ich bin überzeugt, dass nicht nur bei den Vereinen des OKV, sondern auch in den übrigen Landesregionen ein gewisses Misstrauen gegen den SVPS besteht. Spätestens nach der Einführung des Bulletin Obligatoriums hätte man das merken müssen. Ich hoffe, dass die übrigen Regionalverbände auf ihre Basis hören – bevor das Fass überläuft und der Graben zwischen Basis und Spitzensport unüberbrückbar wird.


Trotz Widerstand des OKV werden die Gebühren nun erhöht. Was haben die Vereine und die Reiter an der Basis davon?

Ausser einem weniger vollen Geldbeutel: rein gar nichts! Man kommt einzig bei der Brevetgebühr etwas entgegen und senkt diese um 20 Franken. Aber das ist nichts anderes als Augenwischerei. Damit kann man die Basis im OKV bestimmt nicht beruhigen.


In Ihrer Funktion als OKV Präsident haben sie sich als Anwalt der Basis öffentlich gegen die Gebührenerhöhungen sowie weitere Vorhaben des SVPS gewehrt und sind damit nicht durchgekommen. Nun sind sie gleichzeitig Erster Vizepräsident des SVPS. Wie lassen sich diese Funktionen in der aktuellen Situation unter einen Hut bringen?


Ich habe in den letzten Jahren versucht, trotz meiner Tätigkeit als Vizepräsident im SVPS den OKV auch entsprechend zu vertreten. Ich stelle aber fest, dass man in letzter Zeit versucht hat, meine Person immer mehr zu hintergehen – wohl weil man meine offene und direkte Art der Kommunikation nicht schätzt. Man hat hinter meinem Rücken Abmachungen mit dem Präsidenten getroffen. Aber ich bin nicht der Typ für solche Spiele.

Darum ziehe ich die Konsequenzen und trete aus dem Vorstand des SVPS zurück. Dieser Rücktritt hat aber schon vor der Mitgliederversammlung festgestanden, da ich mich seit längerer Zeit in vielen Punkten nicht mehr hinter dem Vorgehen des SVPS stehen konnte. Ich fühle mich nur dort wohl, wo offen und ehrlich, vielleicht auch einmal mit harten Bandagen, kommuniziert wird. Ich bin gewählt um meine OKV Familie zu vertreten. Und bin überzeugt, die Anliegen des OKV ohne die Fesseln des SVPS-Vorstandsamts zukünftig noch besser vertreten zu können.


Die Entscheidungen des SVPS widersprechen den Ansichten der OKV Präsidenten wie sie anlässlich des Präsidententreffens im Juni geäussert wurden. Was wird der OKV nun unternehmen?

Der OKV kann gegen einen demokratischen Entscheid wie er am Samstag getroffen wurde auf zwei Arten reagieren: Er kann den Kopf in den Sand stecken und den Entscheid widerspruchslos akzeptieren oder er kann weiter für die Basis kämpfen, in der Hoffnung, dass man auch in andern Landesgegenden mit dem OKV zusammen geht. Das ist ein langer und beschwerlicher Weg. Aber ich bin überzeugt, dass er irgendwann zum Ziel führen wird. Ich werde sicherlich nicht aufgeben – auch wenn mir das auch zukünftig viele unerfreuliche E-Mails bescheren wird. Ich bin überzeugt, dass die OKV Familie hinter mir stehen und mich unterstützten wird.