30.08.2010 - Felben: Genussvolle Landschaft und spannende Posten
Etwas ausserhalb von Felben, bei der Halle des Gemüsebauers Gerber, trafen sich am Sonntag, dem 22. August 2010, insgesamt 64 Patrouillen, um den Patrouillenritt des Reitvereins Müllheim zu bestreiten.
von Mirjam Schmidle
Um 7 Uhr startete das erste Reiterpaar mit seinen Pferden. Wurden die tapferen Vierbeiner von ihren Reitern bei solch frühmorgendlichen Aktivitäten doch schliesslich um Ihren gemütlichen Sonntagmorgen-Heu-Brunch gebracht. Doch den Pferden war keine Missstimmung anzumerken! Ganz im Gegenteil, so manch ein Vierbeiner schaute anfangs munterer drein als der ein oder andere Zweibeiner. Doch kaum war man auf den Ritt gestartet, so strahlten alle, denn die Stimmung war herrlich. Durch Nebelschwaden bahnten sich die ersten Sonnenstrahlen funkelnd ihren Weg, saftig grüne Bäume streckten ihre Äste aus den feuchten Nebelwolken und farbige Blumen blitzten durch das Grau hindurch. Je länger der Morgen dahin strich, desto mehr liess sich die landschaftliche Schönheit, durch die man ritt erkennen. Spätestens beim Galopp über einen Wiesenweg der Thur entlang sollte auch die letzte Müdigkeit verflogen sein. Exklusive Wartezeiten an den Posten dauerte der Ritt angenehme drei Stunden. Und mit der Rückkehr des ersten Reiterpaares gewann die Sonne den Sieg gegen die Nebelschwaden vollends und verwöhnte die Teilnehmenden des Patrouillenritts anfangs mit wohliger Wärme, später sogar mit der sommerlichen Hitze eines perfekten Augusttages.
Vielseitige Aufgaben
Doch nebst faszinierender Natureindrücke galt es für die Reiterpaare auf diesem Patrouillenritt zehn Posten zu bewältigen: der eigentliche Grund, warum man sich hier zu einem Wettstreit traf.
Bevor man überhaupt starten durfte widmete jede Patrouille dankbar den Sponsoren ein paar Zeilen. Gleich darauf ging es zum ersten Posten, der sich nur wenige Meter vom Treffpunkt beim Gemüsebauern entfernt befand. Dort galt es die beiden Pferde so nebeneinander zu platzieren, dass der eine Reiter eine Nadel mit sich daran befindendem Strickwerk so halten konnte, dass der andere Reiter vom anderen Pferd aus mit der zweiten Nadel an eben diesem Strickwerk weiterarbeiten konnte. Um so mehr Maschen hier gestrickt werden konnten, um so mehr punktete es.
Für einige der Pferde war die Überquerung der beiden nahe gelegenen Autobahnbrücken eine weitere Herausforderung, die jedoch von allen Reitern und Pferden routiniert gemeistert wurde. Und die Belohnung liess auch nicht auf sich warten. Es eröffnete sich ein wunderbares Reitgelände.
Am zweiten Posten arbeitete nur eines der beiden Reiter- und Pferdpaare während es dem anderen Paar überlassen war, seine Kollegen anzufeuern und zu unterstützen. Es mussten Plaketten nach Rängen und Sponsor sortiert aufgehängt werden.
Weiter ging es zum dritten Posten, an welchem aus verschiedenen Styropor-Würfeln, auf denen sich Buchstaben befanden, ein Wort gebildet werden sollte. Die Schwierigkeit lag hier nicht nur darin herauszufinden, welches Wort gesucht wurde, sondern auch darin, die Styropor-Würfel auf einer einige Meter entfernten Vorrichtung anzubringen. Wem dies in einer Zeit von zwei Minuten korrekt gelang, erhielt am Ende das Wort: OKV Patrouillenritt.
Bälle oder Eier?
Beim vierten Posten hatten sich die Organisatoren einen besonders fiesen Osterstreich einfallen lassen. Aus einem Eimer mit allerlei Bällen sollten Eier herausgefischt werden, um diese in einer einige Meter entfernten Eierschachtel zu platzieren. Wer jedoch nach braunen oder weissen Natura-Eiern suchte und vor lauter Bällen die bunten Plastikeier übersah, dem sollten zwar nur wenige Punkte jedoch gewiss ein Lachen über sich selbst beschert sein.
Und dann kam er: der gefährlichste Hund von ganz Felben. Das meinten zu mindest einige der geschätzten Vierbeiner, die einem überdimensional grossen Plüsch-Hund nicht all zu viel abgewinnen konnten. Nichts Böses im Schilde führend, wartete dieser süsse Kuschel-Hund auf einer blauen Tonne liegend am Posten sechs auf die Patrouillen. Diejenigen Reiter, denen es vergönnt war, ihren Pferden klar zu machen, dass dieses kleine Kuschel-Monster ein liebes Monster sei, mussten eine gelbe Schwimmstange je an einem Ende halten, den Plüsch-Hund in die Stange hängen und gemeinsam auf gleicher Höhe einen Hütchen-Slalom bewältigen. Doch aufgepasst - auf den Hütchen lagen zudem Bälle, die nicht hinunterfallen durften.
Am siebten Posten durften sich die Pferde vom Hunde-Schock erholen. Es wurde ihnen sogar ein Teppich ausgerollt, über welchen sie schreiten durften. Dieser Teppich lag zwischen zwei Tischen, die wiederum für die Reiter interessant waren. Die Reiter mussten auf dem einen Tisch aus einem Haufen von Telefonkarten immer zwei gleiche Motive heraussuchen und auf dem anderen Tisch platzieren. Die Schwierigkeit lag nicht nur im Erkennen gleicher Motive, es waren teils auch mehr als nur zwei gleiche Karten im gemischten Haufen versteckt.
Einer der Posten diente dem Umweltschutz. Mit Hilfe einer Abfallzange mussten verschiedene Abfallgegenstände vom Boden aufgehoben und in eine Tonne befördert werden. Je mehr Gegenstände vom Boden und in der blauen Tonne verschwanden, um so mehr Punkte gab es für die Patrouille.
Kopfrechnen zum Schluss
Spätestens beim zehnten Posten wurde klar, welcher Reiter immer noch nicht wach war. Während vom einen Reiter Zahlen von verschiedenen Kärtchen diktiert wurden, musste der andere Reiter diese mit einem dicken und langen Stift auf einem grossen Taschenrechner eingeben. Hier musste nicht nur der tippende Reiter aufmerksam und schnell reagieren, auch der diktierende Reiter musste sich konzentrieren, um die Zahlen klar und deutlich sowie logisch vorzulesen, denn am Schluss sollten beide auf dasselbe Ergebnis kommen.
An diesem Sonntag wurde in Frauenfeld nicht nur der neue Schweizer Schwingerkönig gekrönt, es gab auch vier Patrouillenritt-Königinnen. Diese waren in der OKV-Kategorie Daniela Leutenegger und Janine Graf, die sich mit einem Total von 923 Punkten weit von den 17 weiteren Mitstreitenden der OKV-Kategorie absetzten, in der offenen Kategorie waren es Sandra Biber und Michele Ulmann mit 817 Punkten, die sich mit dem ersten Platz bei einem Teilnehmerfeld von 48 Patrouillen krönen lassen durften.
Das OK des Patrouillenritts liess es nicht aus, die Teilnehmenden wegen des Staus der Heimkehrenden des Schwingerfestes in Frauenfeld zu warnen und eine weiträumige Umfahrung von Frauenfeld zu empfehlen, weshalb den Teilnehmenden eine gute Heimkehr gesichert sein sollte. Dies lag den Organisatoren nicht zuletzt darum am Herzen, weil es sogar Teilnehmende aus Bern unter den Patrouillenritt-Begeisterten hatte.

