28.06.2010 - Wil SG: Ein Pferdefest mit Tradition

Wil zählt zu den schönsten Concoursplätzen. Vor allem bei derart prächtigem Sommerwetter. Naturhindernisse machen ihn sportlich anspruchsvoll. In diesem Rahmen führte der OKV seinen Coupe-Final durch. Gold ging nach einem spannenden Stechen an den RV Seerücken, Silber an den RV Amriswil und Bronze an den RV Lorze. Auch im schweren Derby fiel die Entscheidung erst im Stechen. Urs Himmelberger (Oberaach) verwies den Einheimischen Hans Steinmann auf den Ehrenplatz.

Wil SG: Ein Pferdefest mit Tradition

Auf dem OKV - Coupefinal-Podest, RV Amriswil,RC Seerücken,RV Lorze

Wil SG: Ein Pferdefest mit Tradition

Die Sieger-Equipe RV Seerücken v.l. Roman Zbinden, Raphael und Cornelia Jud

Wil SG: Ein Pferdefest mit Tradition

Stefan Kuhn, SVPS-Chef Springen gewinnt mir Amriswil die Silbermedaille

Wil SG: Ein Pferdefest mit Tradition

OKV-Präsident Peter Fankhauser hängt Cornelia Jud die Goldmedaille um

von Bruno Eigenmann

 

21 Hindernisse stehen im OKV-Coupe auf dem Platz. Pro Equipe starten drei Reiter, jeder hat sieben Hindernisse zu bewältigen. Es ist eine anspruchsvolle Teamarbeit – die jeweils erst nach zum Teil heftigen Diskussionen zum Ziel führt –  vor dem Start die Aufteilung so vorzunehmen, dass der gewählte Kurs schnell ist und den Schwierigkeiten gerecht wird. Nicht jedes Pferd springt gerne in einen Teich und auch das Pulvermanns-Grab setzt entsprechende Übung voraus. Zudem muss jeder Reiter auch alle Sprünge seiner Teamkollegen im Kopf haben. Denn nach einer zweiten Verweigerung muss der Konkurrent zurück in den Warteraum und seine Kollegen müssen dann auch seine Sprünge absolvieren. Genau zwanzig Vereins-Equipen waren am Start. Sie hatten sich in drei Halbfinals für die Teilnahme qualifiziert, Bülach und Muri- Bremgarten verzichteten auf eine Teilnahme, Wil war als Veranstalter  teilnahmeberechtigt. 

 

Spannendes Stechen 

Nach dem alle Equipen ihre Aufgabe beendet hatten, musste ein Stechen über die Vergabe der Medaillen entscheiden. Amriswil und Seerücken blieben fehlerfrei und „durften“ um Gold oder Silber stechen. Lorze, Thayngen und Wil hatten je einen Abwurf zu beklagen, wer jedoch Bronze bekommt, musste ebenfalls in einem Stechen entschieden werden. VTB, als Titelverteidiger, konnte diesmal nicht um die ersten Plätze mit reiten, die Equipe war nach einem glimpflich verlaufenen Sturz von Mathias Bodenmüller ausgeschieden. Zuerst wurde um Bronze gestochen. Lorze musste zuerst in die Bahn. Annemarie und Serena Gretener erledigten ihre Aufgabe schnell und fehlerfrei. Damit setzten sie die Mitkonkurrenten unter Druck. René Sätteli für Thayngen demolierte gleich ein ganzes Hindernis, vier Punkte waren das Resultat der Equipe. Für Wil starteten Michèle Keller und Katja Wettstein, acht Punkte waren das Resultat. Weil der Speaker durch die falsche Aussage, es sei noch ein Hindernis zu springen, für Verwirrung bei der zweiten Reiterin sorgte, wurden Thayngen und Wil gemeinsam auf den undankbaren vierten Schlussrang gesetzt. Und nun ging es um die „Wurst“, oder anders gesagt um Gold oder Silber. Zwei Thurgauervereine machten den Sieg unter sich aus. Amriswil musste zuerst antreten. Urs Himmelberger hatte eine Stange, Natalie Koch sogar zwei. „Meine Nerven waren diesmal nicht die besten“ meinte dazu die junge Amazone. Seerücken hatte dadurch leichtes Spiel, auch mit zwei Stangen konnten sie den Sieg nach Hause reiten. Cornelia und Raphael Jud traten an, die Amazone blieb fehlerfrei. Mit nur einem Abwurf holten sie den OKV – Coupe auf den „Seerücken“, für Nicht - Thurgauer ist das der Hügelzug zwischen Frauenfeld und dem Untersee.

 

Zufriedener Präsident    

„ Der Coupe ist immer eine spannende Prüfung, die mich fasziniert“ meinte ein entspannter  OKV- Präsident. Peter Fankhauser verteilte die Medaillen und gratulierte allen klassierten Equipen persönlich. Auch der Chef Springen Norbert Hasler war natürlich präsent. „Ohne die sehr erwünschte Teamfähigkeit ist man in einer solchen Prüfung auf verlorenem Posten“ war sein Fazit. Auf einem solchen Platz bei derart idealen Bedingen diesen Final durchgeführt zu haben, darauf stiessen die Verantwortlichen beim abschliessenden Apéro gleich mehrmals an. Das nahm die Vereins- und Vize-OK-Präsidentin Gabi Steiner gerne zur Kenntnis für ihren Verein und für all die vielen Helfer.

 

Tradition- Derby 

Erstmal wurde 1984 ein RII – Derby durchgeführt, da darf ein Veranstalter mit Recht von Tradition sprechen. Anspruchsvolle Naturhindernisse machen das Wiler-Derby zu einer der Prestigeprüfungen, die jeder Regionalreiter gerne einmal gewinnen möchte. Louis Baumgartner reizte als Parcoursbauer das Gelände mit viel Erfahrung aus. Keine Möglichkeit wurde ausgelassen. Teich Ein- und Aussprung, Wall-Kombinationen, Pulvermann, Mauer und ein mit Wasser gefülltes Bidet, in dem sich die Sonne so schön und für die Pferde so Furcht erregend spiegelte, gehörten zum langen Kurs, der konditionell von Pferd und Reiter eine Höchstleistung abverlangte. Vierzig Paare waren am Start – nur vier kamen fehlerfrei ins Ziel. Es gab Stürze, vor allem am Bidetsprung, die jedoch meist glimpflich ausgegangen sind. Die Sanität kam zum Einsatz, einmal musste sogar unterbrochen werden, weil der Notarzt mit einem Transport kurz unterwegs war. Martin Bamert (Wald) konnte seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen. Zu viele Fehler kassiert der erfolgsverwöhnte Reiter mit seinem so routinierten Rambago Z. Nicole Kuster Berg TG), die ebenfalls zu den arrivierten Kreis der Derbyreitern gehört, erreichte mit Trigger durch einen ärgerlichen Hinterhandfehler das Stechen ebenfalls nicht. 

 

Entscheid im Stechen

Hans Steinmann (Bronschhofen) trat zuerst zum stark verkürzten Stechparcours an. Er hatte das Derby schon einmal gewonnen. Auf Digital Coin griff er voll an, wie man das von ihm gewohnt ist. Laute Zurufe aus dem Publikum feuerten ihn zusätzlich an. Er ging jedes Risiko ein, erreichte unter frenetischem Jubel das Ziel fehlerfrei. Reicht die Zeit zum Sieg? Urs Himmelberger (Oberaach) war der Nächste. Er kam mit der Empfehlung, am Samstagabend mit Amriswil die Silbermedaille im OKV-Coupe gewonnen zu haben. Auch er ist in der Gegend nicht ganz unbekannt, ist er doch mit seinem Pferd bei Esther Sennhauser in Rossrüti stationiert. Mit Con Brio v. Schlösslihof CH durfte er angreifen. Er tat dies im Stile eines Könners. Ganze drei Sekunden Vorsprung ritt er heraus. Das reichte am Schluss zum Sieg. Patricia Kuhn (Weinfelden) ritt eine fehlerfreie, ruhige Nullrunde und wurde Dritte. Rilana Müller (Schwellbrunn AR) hingegen wollte es wissen, bezahlte aber mit zwei Abwürfen. Damit feierte Urs Himmelberger einen unerwarteten, aber ganz feinen Sieg.

 

 

Rangliste