14.06.2010 - Endurance: „Lässigster“ Pferdesport fordert mentale Stärke

Die Distanzreiter stellten am Wochenende in Fehraltorf nicht nur ihre Pferde-, sondern auch ihre mentale Stärke unter Beweis.

Endurance: „Lässigster“ Pferdesport fordert mentale Stärke

(Foto: Pia Wertheimer)

von Pia Wertheimer

Rund eine Stunde vor dem Start, der am Fehraltorfer Distanzritt für die nationale Prüfung um 8 Uhr angesetzt ist, herrscht auf dem Rennbahnareal schon reger Betrieb. Neun Reiter und ihre Pferde sind für den Grossen Preis der Swiss Endurance gemeldet und die ausdauernden Rassen beherrschen das Feld. Die Mehrheit der Vierbeiner sind Araber, aber auch ein Karabagh – eine für ihre Zähigkeit bekannte kaukasische Pferderasse –, und ein Tersker – ursprünglich aus Russland – stehen an diesem Morgen an der Startlinie. Auch die Zweibeiner haben teils lange Anfahrtswege in Kauf genommen, um den Fehraltorfer Anlass bestreiten zu können, der zum fünften Mal stattfindet. „Wir haben insgesamt jeweils um die 130 Paare am Start“, weiss OK-Präsident Walter Siegrist. Der Anlass könne zwar mehr Teilnehmer vertragen, „aber in diesem Rahmen, bleibt er übersichtlich“. Jurypräsident Stefan Meier beaufsichtigt vor dem Start den Ablauf der Veterinärkontrollen. Die Tierärzte kontrollieren die Gesundheit der Vierbeiner, messen ihren Puls und nehmen ihren Gang unter die Lupe. „Unsere Strecke wird oft unterschätzt“, sagt Meier. Sie wirke flach, das verleite Pferd und Reiter oft dazu zu schnell unterwegs zu sein. In Wirklichkeit sei das Gelände aber an vielen Stellen coupiert. Er muss es wissen, denn Meier und seine Frau haben die Laufschuhe geschnürt und getestet, was sie von den Teilnehmern abverlangen.

Wie ein Marathon für Zweibeiner

Ruhig steht Karthago II im Sandviereck. Die Ohren des Partbredaraberwallachs sind gespitzt, er ist hellwach und scheint die Prozedur zu kennen. Gelassen lässt er die Tierärztin seinen Puls fühlen. „Keine Selbstverständlichkeit“, weiss Meier. Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Tier den Tierarzt bei der Vet-Kontrolle kaum an sich heran gelassen habe. „Es ist unschön, aber dann droht der Ausschluss.“ Mit Farbe malt ein Helfer die Nummer 8 auf Karthagos Kuppe. Diese Startnummer soll ihm und Tania Messerli auf den 81 Kilometern Glück bringen. „Es ist der lässigste Pferdesport“, freut sich Messerli auf die bevorstehende Prüfung. Es sei jedesmal wieder ein Erlebnis und gleichzeitig sei es eindeutig ein Extremsport – und zwar für Pferd und Reiter. „Endurance ist vergleichbar mit einem Marathon für Zweibeiner.“ Und vom Reiter verlangten die 81 Kilometer viel mentale Stärke ab, „denn mit der Zeit tut jedem irgendetwas weh“. Das Training fordere denn auch viel Zeit und lange Reiteinheiten. „Beim Konditionsaufbau handelt es sich vielfach um lange Schritteinheiten und langen Galopptrainings auf der Bahn.“ Die Trainings haben sich für die Badenerin bewährt. Sie und ihr Schimmelwallach erreichen nach einer totalen Reitzeit von 5 Stunden und 2 Minuten das Ziel und belegen damit den fünften Rang. Der Sieg des Grossen Preises der Swiss Endurance gebührt indessen Ruedi Dudli und seine Karabagh-Stute Inci entscheiden.

 

 

Ranglisten

CEN 81 km

EVG 30 km

EVG 51 km

EVG 60 km

EVG 81 km

KLP 30 km