4.03.2009 - Concours Complet: Treff mit spannenden Vorträgen
Fast 70 Personen hatten sich für den OKV-CC-Treff mit Weiterbildung vom vergangenen Sonntag angemeldet. Besonders interessant war das Referat von Paul Weier zur Entwicklung der Military-Reiterei in den letzten rund 100 Jahren.
von Karin Omran-Marty
Das Reiterstübli der Reitanlage Neukirchhof in Bülach war am letzten Sonntagmorgen fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die OKV-Ressortkommission Concours Complet hatte zum CC-Treff mit vorgängiger Weiterbildung eingeladen. Der grosse Zuschauerauflauf war sicher nicht zuletzt dem hochkarätigen Referenten zu verdanken. Paul Weier, internationaler Spitzenreiter in allen drei Disziplinen, zeigte in seinem rund eineinhalb stündigen Vortrag auf, wie sehr sich der olympische Militarysport in den letzten 90 bis 100 Jahren verändert hat. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts waren ausschliesslich Reiter aus dem Militär in den Prüfungen startberechtigt. Seit 1964 dürfen auch Frauen mitreiten. Die erste Military-EM in der Schweiz fand im Jahre 1954 in Basel statt. «In diesen Jahren waren Sprünge über Mistwagen oder Bahnschranken in Mode», erzählte Paul Weier in seinem fesselnden Vortrag. Ab dem Jahr 1958 sind nur noch sogenannte blinde Sporen im CC-Sport erlaubt: «Schuld daran war ein Schweizer Reiter, der im Jahr zuvor in England mit seinen scharfen Sporen sein Pferd blutig ritt. Dies sah die englische Königin und fragte den Eidgenossen, was den hier passiert sei. Da dieser sich vor der Königin verneigte noch ihr antwortete, wurde kurzentschlossen das Verbot von scharfen Sporen verhängt.»
Bis zum Jahr 2000 keine Absprungmarkierungen
Die Geländekurse in den früheren Jahren erforderten exaktes anreiten der Sprünge. Denn bis vor dem Jahr 2000 hatten Geländehindernisse keine Absprungmarkierungen, auch «Füsse» genannt. Dies führte dazu, dass die Pferde genau nicht abschätzen konnten, wann sie abspringen mussten. «Wer schludrig oder kamikazienhaft rittet, der hatte meistens viele Verweigerungen oder gar Stürze zu verzeichnen», erläuterte Paul Weier.
Viele Erneuerungen gab es in den Jahren zwischen 1994 und 2002. Die wohl gewichtigste Änderung war die Einführung der Kurzprüfungen im Jahre 2002. Dies bedeutete zugleich auch der Aufschwung der Militaryreiterei. Denn so dauerte ein solcher Anlass nicht mehr fast eine Woche lang sondern ein bis drei Tage. Dadaurch konnten viel mehr Prüfungen stattfinden. Wurden im Jahr 2002 noch 263 CC-Prüfungen durchgeführt, waren es im Jahr 2007 bereits 407 internationale Events. Und die Teilnehmerzahl stieg von 6500 im Jahr 2002 auf 13250 im Jahr 2007, was einer Verdoppelung entspricht. «Was heute immer wichtiger wird ist, dass die alle Beteiligte ihre Verantwortung warhnehmen. Der Reiter darf sich nicht selber überschätzen, der Trainer muss seinen Schützlingen gegenüber ehrlich sein betreffend Eignung für diesen Sport und nationalen Verbände sollten transparente und machbare Selektionskriterien haben», so Paul Weier. Nur so können man im internationalen Umfeld mithalten und bestehen. Mit eindrücklichen Videoaufnahmen beendete Paul Weier den Morgen.
Kommentare von den Profis
Am Nachmittag ritten drei Reiter die neuen CC-Programme. Paul Weier, Conrad Schär und Alois Müller kommentierten die Ritte.
Nach den interessanten und lehrreichen Ausführungen in der Reithalle, fand dann im Reiterstübli der offizielle CC-Treff statt. Hier wurden die besten Reiterinnen und Reiter sowie der beste Veranstalter geehrt. Wer diese waren, kann auf der OKV-Homepage nachgeschaut werden. Die OKV-CC-Ressortchefin Yvonne Bont und ihr Team von der Ressortkommission stellten wiederum einen gelungenen Anlass auf die Beine.

