27.02.2009 - Der Verbandspräsident zur Vereinspflicht
An der Delegiertenversammlung sprach Peter Fankhauser eine deutliche Sprache. Seither ist die vorgeschlagene Vereinspflicht ein vieldiskutiertes Thema.
An der vergangenen Delegiertenversammlung hat Peter Fankhauser, Präsident des OKV, Klartext gesprochen. Er machte sich für eine Vereinspflicht stark für Teilnehmer von offiziellen Prüfungen. „Oder kennen Sie etwa Fussballer, die auf Meisterschaftsrasen kicken, und nicht einem offiziellen Verein angehören?“, fragte Fankhauser im Dezember in Gais. Nur wenige Tage später folgte der SVPS dem Antrag von Vorstandmitglied Fankhauser. Dieser Entscheid warf Wellen und ist seit Jahresbeginn ein vieldiskutiertes Thema. Auch der SVPS hat am Sitzungstisch erneut darüber debattiert.
Mit Peter Fankhauser sprach Pia Straw
Herr Fankhauser, Sie haben im Dezember in Gais die Rolle des Winkelried für die Reitvereine übernommen. Wie fühlen Sie sich heute?
Bevor ich auf Details eingehe, möchte ich den Vereinen im OKV recht herzlich danken. Man hat von mir gefordert entsprechende Anträge zur Vereinspflicht umzusetzen. Ich konnte mit Freude feststellen, dass man im OKV nicht nur fordert, sondern den Präsidenten auch entsprechend unterstützt, wenn ein stärkerer Gegenwind bläst. So macht es mir Freude Präsident zu sein. Dieser Rückhalt von den vielen OKV-Vereinen gibt mir weiterhin die Kraft und den Willen mich weiter für die Vereinspflicht einzusetzen.
Wie hat der SVPS-Vorstand in dieser Sache letztlich entschieden?
Der Entscheid des SVPS Vorstandes lautet: Es steht jedem Regionalverband frei die Vereinspflicht einzuführen. Also genauso wie ich es im Bulletin vorgestellt habe. Man kann es auch sagen, die Verantwortung wird nach unten weitergegeben.
Wie äussert sich das?
Es zeigt sich, dass die andern Regionalverbänden im Moment auf Abwarten spielen. Man überlässt es also dem OKV in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln. Was will man dann später, sich ins gemachte Nest setzen?
Sind Sie enttäuscht?
Ja, sehr. Ich versteh nicht, wie man gleichzeitig an Mitgliederversammlungen den Mitgliederschwund ins Spiel bringt und laut über eine Vereinspflicht nachdenkt und dann den OKV, der den ersten Schritt tätigt doch nicht unterstützt. Wie kann man in seinem Mitteilungsorgan Gastreferenten Platz einräumen, die gegen eine Vereinspflicht argumentieren, wenn im eigenen Verband gerade diese Pflicht von den einzelnen Vereinen gefordert wird?
Wie argumentieren die Gegner der Vereinspflicht?
Jene die sich gegen die Einführung aussprechen, führen oft das Argument der Kontrollen ins Feld. Für mich ist dies eine mehr als fragwürdige Begründung. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg - das lernten wir bereits in der Schule. Wie kann man Ideen von doppeltem Nenngeld für nicht Vereinsmitglieder ins Spiel bringen? Das würde für einen Sportler, der an durchschnittlich vielen Turnieren teilnimmt, einen Mehraufwand zwischen von zwischen 300 und 400 Franken ausmachen. Zudem müssen auch hier muss Kontrollen getätigt werden. Uns geht es nicht darum die Kassen des SVPS und des OKV zu füllen, wir wollen versuchen die Vereine zu stärken.
Offenbar ist die Situation nicht ganz klar, denn es werden Argumente vorgebracht, die schlichtweg frei erfunden sind. Die Vereinspflicht im OKV gilt lediglich für offizielle Prüfungen - oder anders gesagt, alles was über Bern abgerechnet werden muss.
Das gilt also auch für die Meisterschaften?
Selbstverständlich gilt dies für alle OKV Meisterschaften - also auch Patrouillen-Ritte, Western Cup oder Gymkhanas. Dies hat sich aber nicht geändert, die ist schon seit jeher so.
Wie sollen die Veranstalter diese Pflicht nun umsetzen?
Dies ist teilweise bereits mit einem entsprechenden Vermerk in den Ausschreibungen geschehen. Allerdings müssen die Veranstalter mit Feingefühl vorgehen und nicht im ersten Jahr der Einführung nicht sofort von Null auf hundert schalten. Ich habe in vielen persönlichen Gesprächen festgestellt, dass meist die Bereitschaft besteht einem Verein beizutreten. Die Grundlage ist aber oft ein Gespräch – wir müssen miteinander reden.
Wie soll es nun weiter gehen?
Meine Meinung für die Zukunft ist klar: Wer aktiv Sport betreibt soll auch Aktivmitglied in einem Verein sein.
Wie sollen die Vereine dies bewerkstelligen?
In vielen Statuten der Reitvereinen habe ich beispielsweise festgestellt, dass ein Beitritt frühestens am dem 12. oder 14. Altersjahr möglich ist. Hier stehen wir uns selbst im Wege. Unsere Sportler werden immer jünger, also muss auch ein Umdenken möglich sein. Selbstverständlich kann die Vereinspflicht nicht das Allerheilmittel sein, um den Mitgliederschwund zu stoppen. In den Vereinen ist eine Wandlung von Nöten. Das Vereinsleben muss interessant gestaltet werden und nicht nur für die Sportler da sein. Es gibt immer mehr Freizeitreiter – auch sie kann ein Verein mit interessanten Angeboten überzeugen. Man darf nicht warten bis die Reiter auf den Verein zu kommen, man muss auf die Reiter zu gehen. Oder anders gesagt: Vertrauen schaffen.
Bietet der OKV Unterstützung bei Unklarheiten, oder negativen Reaktionen betreffend der Vereinspflicht?
Für negative Reaktionen oder bei Unklarheiten ist der OKV Präsident der Ansprechpartner für Vereine, Veranstalter und Reiter – und nicht der SVPS. Auch die Geschäftsstelle des OKV kann jederzeit kontaktiert werden.